Ministerpräsident Kretschmer macht Gegner der Corona-Maßnahmen für steigenden Inzidenzwert verantwortlich und kündigt noch mehr Einschränkungen an

Die Aussagen, die Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer am Sonntagabend in der Fernsehsendung „Berlin direkt“ äußerte, haben es in sich. Kretschmer äußerte sich zum deutlich gestiegenen Inzidenzwert der vergangenen Tage, bei dem Sachsen bundesweite Rekorde verzeichnet. Der CDU-Politiker machte dafür aber nicht etwa eine deutlich gesteigerte Anzahl an durchgeführten Test verantwortlich, bei der es natürlich eine logische Konsequenz ist, dass die Gesamtzahl derjenigen, bei denen der Covid-19-Virus festgestellt wird, ebenfalls steigt, sondern versuchte sich im Frontalangriff auf seine politischen Gegner. Ein Teil der Menschen in Sachsen würden die Maßnahmen ablehnen, weshalb ein Infektionsgeschehen entstünde, das sehr gefährlich sei, so Kretschmer. Zahlen, mit denen er diese Aussagen belegen kann, lieferte Kretschmer im Übrigen nicht. Dass es ihm auch primär um politische Stimmungsmache gegen seine Kritiker ging, als um eine wirkliche, sachliche Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb die Inzidenzwerte in Sachsen deutlich höher sind, als im Rest der Bundesrepublik, macht auch eine weitere Aussage aus der ZDF-Sendung deutlich: Durch das Verhalten der Corona-Maßnahmengegner würden „unschuldige Menschen in Mitleidenschaft“ gezogen. Im Umkehrschluss heißt das: Jeder, der die Corona-Politik der Landesregierung als fehlerhaft und die Maßnahmen als in sich selber nicht schlüssig betrachtet, ist „schuldig“ und im Falle einer Erkrankung für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Nur diejenigen, die Kretschmer und seiner Landesregierung hörig sind und die Maßnahmen widerspruchslos befolgen, sind „unschuldig“. Solche Aussagen sind eines Ministerpräsidenten, der alle (!) Bewohner des Freistaates vertreten sollte, ganz gleich, wie sie zu seiner Politik stehen, unwürdig.

Entscheidungen über Verschärfung des Lockdowns angekündigt

Daran, dass der bisherige Lockdown für Kretschmer nicht ausreichend ist, ließ der Ministerpräsident keinen Zweifel. Noch diese Woche würde deshalb die Landesregierung weitere Verschärfungen ausarbeiten – in welchen Bereichen die neuen Regulierungen geplant sind, ließ Kretschmer weitestgehend offen, als sicher betroffen gelten aber Schulen und höchstwahrscheinlich Kindergärten.

Bild: Pawel Sosnowski / Creative-Commons-Lizenz / de.wikipedia.org

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