Keine Maske getragen: Kampagne gegen CDU-Bürgermeister im Erzgebirge

Der CDU-Politiker Joseph Stephan ist seit 1990, also immerhin seit 30 Jahren, Bürgermeister von Großrückerswalde im Erzgebirge. In diesen Tagen bläst ihm ein rauer Wind ins Gesicht. Doch der Hintergrund ist nicht etwa eine brisante, politische Entscheidung, die die Gemüter im Ort erhitzt: Nein, Stephan hat seine Weihnachtsgans in der Suchtklinik „Alte Flugschule“ gekauft, ohne dabei eine Maske zu tragen. Seinen eigenen Angaben zufolge hatte er vergessen, die Maske aufzusetzen, es hätte auch keine Hinweise des Personals gegeben. Doch statt grundsätzlich über den Sinn oder Unsinn des Maskentragens zu diskutieren (immerhin wies die Bundesregierung noch zu Jahresanfang darauf hin, dass Mund-Nasen-Bedeckungen keine nennenswerte Schutzfunktion aufweisen), hat eine mediale Kampagne eingesetzt, die von den Befürwortern der kritiklos hingenommenen Maskerade vorangetrieben wird. Als solche spielt sich beispielsweise die Wählervereinigung „Pro Rückerswalde“ – die in keinem Zusammenhang mit ihrem Chemnitzer Namensdouble steht – auf, längst ist der Rücktritt von Stephan gefordert worden. Zufälligerweise eskalierte jüngst die politische Situation in Großrückerswalde, zwischen den beiden einzigen Fraktionen im Gemeinderat kam es zu größeren Streitereien. Gut möglich, dass die Maskenfrage nun nützlich instrumentalisiert wird. Oder aber es gibt wirklich Menschen, die eine Hexenjagd vom Zaun brechen, wenn jemand vergessen hat, eine Maske zu tragen. Nach den „Maskenverweigerern“ sind wohl als Nächstes die „Maskenvergesser“ vogelfrei. Und die Vernunft scheint in Großrückerswalde ebensowenig zur Seite gelegt worden zu sein, wie die Verhältnismäßigkeit. Vielleicht nutzen die politischen Akteure jedoch die Weihnachtstage, um die Kampagne gegen einen Politiker, der für den Kurs seiner Bundes- und Landespartei durchaus zu kritisieren ist, die immerhin sämtliche Corona-Einschränkungen mitzuverantworten hat, der jedoch selber keine unehrenhafte oder moralisch verwerfliche Handlung begangen hat, zu beenden und sich sinnvollen Themen zuzuwenden. Beispielsweise der Frage, wie den Ladenbetreibern oder Gastronomen in Großrückerswalde geholfen werden kann, die niemanden mehr auf die Maskenpflicht hinweisen müssen, weil ihre Läden seit fast zwei Monaten geschlossen haben.

Share: