Eklat bei Chemnitzer Linkspartei: Gedenkanzeige für Mauerschützen Peter Göring verherrlicht Erschießungen an innerdeutscher Grenze

Die Wellen der Empörung schlagen nach einer Gedenkanzeige, welche unter anderem von den Ortsvereinen Sonnenberg und Adelsberg der Chemnitzer Linskpartei, sowie der parteiinternen „IG Frieden-Gerechtigkeit-Solidarität“ in der marxistischen „Jungen Welt“ veranlasst wurde, schlagen hoch. Erinnert wird in der Druckausgabe vom 28. Dezember an den 80. Geburtstag, den Peter Göring, ein DDR-Grenzpolizist, der am 23. Mai 1962 erschossen wurde, als er versuchte, die Flucht des 14-jährigen Wilfried Tews zu verhindern, gefeiert hätte. Tews schwamm damals vom Berliner Invalidenfriedhof über den Spandauer Schiffahrtskanal zu einer Uferstelle – plötzlich eröffneten Ostberliner Grenzschutzsoldaten das Feuer auf Tews, der insgesamt acht Treffer erlitt und nur durch ein Wunder überlebte. Als Westberliner Polizisten dem Flüchtigen Feuerschutz gaben, wurde der DDR-Grenzer Peter Göring tödlich getroffen. In einem späteren Gerichtsprozess stellte sich heraus, dass alle acht Treffer, die Tews erlitten hatte, Göring zugerechnet wurden, dessen Komplizen wurden deshalb vom Vorwurf des versuchten Totschlages freigesprochen. Soweit, so historisch. Doch was Teile der Chemnitzer Linkspartei 58 Jahre nach diesem Ereignis in einer Zeitung publizieren, verdeutlicht, warum die Linke als offizielle Rechtsnachfolge der SED weiterhin in der Tradition des DDR-Unrechts steht.

Chemnitzer Linkspartei sieht in Schüssen auf 14-Jährigen „vorbildlichen Versuch, Grenzdurchbruch zu verhindern

Offensichtlich würden einige Protagonisten der Chemnitzer Linkspartei selbst gerne mit dem Gewehr in der Hand auf Abweichler und Landesflüchtige schießen: „“Freiwillig meldete er sich zum Dienst in der Bereitschaftspolizei und versah vorbildlich den Grenzdienst. Er wurde 1962 durch Westberliner Polizisten beim Versuch erschossen, einen Grenzdurchbruch zu verhindern“, heißt es. Die Rede ist nicht etwa von einem Ansturm auf die DDR-Grenze, sondern von einem 14-Jährigen, der das Land unbewaffnet verlassen wurde. Doch damit nicht genug: Ohne ein Anzeichen von Zweifel, ob 8 Schüsse auf einen 14-Jährigen wirklich den sozialistischen Idealen von Solidarität und Gleichheit entsprechen, wird in der Gedenkanzeige eine Bestimmung zitiert, die den Schusswaffengebrauch für DDR-Grenzer bei sogenannten „Fluchtversuchen“ regelt. „In ehrendem Gedenken“ schließen die Verfasser, zu denen neben den erwähnten Organisationen der Chemnitzer Linken auch die „Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR (ISOR)“ oder die „Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. (GBM)“, zählen. Ob die Erschießung von 14-Jährigen Westflüchtlingen auch zum Schutz der Bürgerrechte und Menschenwürde zählt, ist derweil offen.


Selbst linksaußen stehende Politiker kritisieren die Chemnitzer Entgleisungen scharf
Quelle: Screenshot Twitter

Wenn die Chemnitzer Linke einen Hauch von bürgerlichem Anstrich wahren will, müssen nach diesem Eklat Konsequenzen folgen. Zwar distanziert sich der Kreisvorstand der Chemnitzer Linkspartei in einem kurzen Twitterbeitrag von der Gedenkanzeige, lässt aber offen, ob er diese schlichtweg für taktisch ungünstig hält oder aber den Inhalt nicht mittragen kann. So oder so: Mit einer Entschuldigung ist es nicht getan, wenn der versuchte Mord an einem 14-jährigen Kind zur heldenhaften Tat glorifiziert wird!

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