Oberbürgermeisterwahl: Nur Schulze konnte in Runde 2 neue Wähler gewinnen

Chemnitz hat gewählt und Sven Schulze hat die Wahl mit 34,88 Prozent (31.749 Stimmen) klar für sich entschieden. Nachdem er sich in der ersten Runde am 20. September noch knapp an die Spitze setzte, ist sein Abstand zu Almut Patt (22,03 Prozent, 20.047 Stimmen) sehr deutlich. Noch weiter abgeschlagen liegen die übrigen Bewerber Susanne Schaper (16,12 Prozent, 14.668 Stimmen), Lars Faßmann (13,75 Prozent, 12.515 Stimmen) und Ulrich Oehme (13,22 Prozent, 12.034 Stimmen). Außer Schulze – und im geringen Maß Faßmann – konnte keiner der Kandidaten in Runde 2 nennenswerten Stimmenzuwachs verzeichnen, obwohl alle drei Außenseiter-Kandidaten (Schaper, Faßmann, Oehme) jeweils eine Partei hatten, die zu ihren Gunsten zurückzog. Doch die 7 Prozent der Grünen scheinen sich nicht der Wahlempfehlung ihrer Partei zugunsten von Schaper angeschlossen zu haben, sondern dürften fast geschlossen auf Schulze übergegangen sein. Und die 3,5 Prozent Wähler der Freien Wähler sind auch nur im geringen Umfang zu Faßmann, der größte Teil ist wohl der Wahlurne ferngeblieben. Ähnlich sieht es bei den Wählern von Pro Chemnitz aus, in der ersten Runde immerhin über 4 Prozent, die zwar zu einem gewissen Teil für Oehme gestimmt haben dürften, von denen aber auch viele zuhause geblieben sein dürften. Offensichtlich – und das dürfte wohl schon ein Fazit der Wahlauswertung sein – werden die Wahlaufrufe zurückziehender Kandidaten überschätzt, denn die jeweiligen Anhänger folgen ihnen kaum, im Falle der Grünen sogar überhaupt nicht. Gleichzeitig wird sich vor allem die AfD fragen müssen, wieso es ihr nicht gelungen ist, das Wählerpotential abzurufen, obwohl tatsächlich – entgegen den vorherigen Prognosen der Freien Presse – kaum Anhänger der AfD für die CDU-Kandidatin Almut Patt gestimmt haben. Vielmehr dürfte es an einem Wahlkampf auf Sparflamme gelegen haben, die eigenen Wähler, aber auch das Wählerspektrum von Pro Chemnitz, nur bedingt erreicht zu haben. Ob es mit einem engagierteren Wahlkampf besser ausgesehen hätte, kann rückblickend freilich nur spekuliert werden. Neben Wahlsieger Sven Schulze, hat eigentlich nur der parteifreie Kandidat Lars Faßmann Grund, mit der zweiten Wahlrunde zufrieden zu sein, wenngleich er sich auch ein höheres Ergebnis erhofft haben dürfte. Ihm ist es jedoch gelungen, ein Ergebnis auf Augenhöhe mit AfD und Linkspartei zu holen, was seinen lokalpolitischen Wert sicherlich gesteigert haben wird.

Und, noch eine Erkenntnis lässt sich aus der Chemnitz-Wahl vom 10. Oktober ziehen: Für rund 35 Prozent einen Oberbürgermeister-Posten zu erhalten, dürfte einer der niedrigsten Werte sein, den es in den letzten Jahren bei einer Bürgermeisterwahl in Sachsen in Runde 2 gegeben hat.

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