Versenktes Auto und Marx-Darm: Ist das Kunst oder kann das weg?

Seit Wochen streiten die Chemnitzer über einige Projekte, die im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung in unserer Stadt zu sehen sind. Während die Antifa-Ausstellung insbesondere wegen ihrer klaren, politischen Stoßrichtung auf starken Widerspruch, insbesondere von AfD und Pro Chemnitz, aber auch von CDU und FDP, stieß, stellt sich bei anderen „Kunstwerken“ die Frage: Wo hört Kunst auf und wo beginnt Unsinn? Wahrscheinlich sind die Grenzen fließend und mit etwas Phantasie lässt sich alles in irgendeinen künstlerischen Aspekt einbinden. Doch letztendlich stellt sich auch immer die Frage, wovon der durchschnittliche Chemnitzer Bürger profitiert und wofür er zwar als Steuerzahler aufkommen darf, aber keinen wirklichen Nutzen hat. Und zumindest bei zwei der Kunstprojekte, das versenkte Auto im Schloßteich und der überdimensionale Darm von Karl Marx, der in Relation an den Nischel angepasst ist, im Schillerpark, lässt sich ein kleiner Vergleich anstellen. Insbesondere das versenkte Auto im Schloßteich ist ein Hingucker, aber eben auch ein Kostenfaktor: Bereits das Einsetzen war aufwendig, regelmäßiger Vandalismus, der bei einer solchen Aktion angesichts der allgemeinen Lebenserfahrung zumindest in Kauf genommen wird, dürfte auch in der restlichen Ausstellungszeit bis zum 25. Oktober noch weitere Reparationen notwendig machen. Zumal sich die Frage stellt, ob eingeworfene Scheiben nicht irgendwie auch eine Form der „Kunst“ sind, wenn ein versenktes Auto tatsächlich als Kunstwerk das „Absinken“ thematisieren soll. Auf der anderen Seite steht die Skulptur des Darms von Karl Marx, die sicherlich auffällig ist und beim Beobachter die Frage aufwirft, ob ein solcher Nachbau wirklich nötig gewesen wäre. Immerhin ist sie aber pflegeleicht und lädt Kinder im Park dazu ein, auf dem Darm von Marx zu spielen. Würden sich die Kinder vor Augen führen, dass sie über einen überdimensionalen Darm klettern, wäre ihr Spielvergnügen wahrscheinlich auch deutlich geringer, aber solche Gedankengänge bleiben den Jüngsten hoffentlich erspart. In diesem Sinne ist der Darm dann sogar eine kleine Bereicherung, eine Art temporärer Spielplatz im Mini-Format, der bisher auch frei von Vandalismus geblieben ist und, verglichen mit dem Auto im Schloßteich, pflegeleicht ist. Aber letztendlich darf sich die Frage gestellt werden: Haben wir in Chemnitz derzeit keine anderen Probleme, als unsere Stadt mit fragwürdigen Kunstprojekten zuzustellen? Es wirkt fast, als müsste krampfhaft suggeriert werden, dass wir Kulturhauptstadt sein können. Warum sind wir nicht mit dem zufrieden, was wir bisher haben und setzen auf langfristigen Ausbau, gerne auch für wirklich kulturelle Einrichtungen mit Nachhaltigkeitswirkung. Dann lässt sich dem Bürger auch erklären, weshalb Steuergelder bereitgestellt werden – bei einem versenkten Auto wird das dagegen schwierig. Darüber sollten wir uns vielleicht Gedanken machen, wenn das Spektakel im Oktober – erst einmal – endet. Eine Fortsetzung der Debatte folgt dann sicherlich bei den nächsten „Kunstwerken“.

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