Defekt statt Vandalismus: Museums-Chef sorgte sich bereits um Chemnitz…

Kunstwerk beschädigt – Museums-Chef sorgt sich um Chemnitz“ titelte die Freie Presse und berichtete über vermeintlichen Vandalismus, dem eine lebensgroße Karl-Marx-Wackelfigur zum Opfer gefallen ist, die derzeit im Rahmen der „Gegenwarten-Ausstellung“ auf dem Johannisplatz zu sehen ist. Schnell kamen sie wieder auf, die Vorurteile über Chemnitz, einer Stadt, in der es doch Hetzjagden gegeben hat (was erst im Nachgang durch die klaren Äußerungen des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen in der breiten Öffentlichkeit widerlegt wurde) und in der es offenbar nicht möglich ist, Kunstwerke im öffentlichen Raum auszustellen. Frédéric Bußmann, Leiter der der Kunstsammlungen, eilte persönlich zum „Tatort“ und äußerte sich besorgt. „Derzeit komme es ‚massiv‘ zu Zerstörungen“, sie seien „ungesund für unsere Stadt“. Und während die Freie Presse in den nächsten Zeilen Vandalismus am versenkten Auto im Schloßteich erwähnt (ohne freilich zu hinterfragen, ob ein im Wasser schwimmenden Auto noch irgendetwas mit Kunst zu tun hat), widmet ein namentlich nicht genannter Journalist de Freien Presse dem Vorfall sogar einen eigenen Kommentar, in dem die Vermutung aufgestellt wir, es könnte sich um gezielte Straftaten gegen Ausstellungsstücke handeln, die Bezug auf Karl Marx oder die Grundrechte nehmen (inwieweit Karl Marx mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zusammenhängt, erläutert der Journalist selbstredend nicht). Der Kommentar schließt mit den Worten, die Beschädigungen nicht als Vandalismus abzutun, sondern ernst zu nehmen, vermutlich eine Dimension höher anzusetzen. Es sind wahrlich harte Worte für einen umgefallenen Wackel-Karl-Marx. Und sie werden einen Tag später zur Blamage.

Nach Kameraauswertung ist klar: Instabilität für Einstürzen der Figur verantwortlich

Denn während sich diejenigen, die ohnehin regelmäßig versuchen, die Gegner der Kulturhaupstadtbewerbung in eine bestimmte, politische Ecke zu drängen, noch gegenseitig in ihrer Empörung über die Zerstörung von Kunst hochschaukeln, sorgt eine Mitteilung der Polizei für Aufklärung: Nach Auswertung der Videoüberwachung, kann Vandalismus ausgeschlossen werden, es liegt keine Straftat vor. Vielmehr ist die Statur, offenbar instabil konstruiert, selbst in sich zusammengefallen und eingestürzt. Fragt sich nur, ob sich der Leiter der Kunstsammlungen und der FP-Kommentator jetzt für ihre Unterstellungen entschuldigen und beim nächsten Mal vielleicht etwas zurückhaltender agieren.

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