Chemnitz: SPD-Bundestagsabgeordneter kritisiert Umbenennung der „Zigeunersauce“ – dann bricht ein Shitstorm der Jusos über ihn herein…

Ganz schön viel Trubel gab es am Sonntag (16. August) im sozialen Netzwerk Twitter. Der Auslöser: Ein Tweet des Chemnitzer SPD-Bundestagsabgeordneten Detlef Müller, der die jüngsten Planungen des zur Unilever-Gruppe gehörenden Lebensmittelherstellers Knorr kritisierte, die „Zigeunersauce“ umzubenennen. „Aus Kulturkampf wird Kulturkrampf. Nach Mohrenkopf nun Zigeunersauce. Folgen werden wohl Königsberger Klopse, Leizpiger Allerlei und Schwarzwälder Kirsch. Ein Bärendienst an einer wichtigen Sache“, twitterte Müller, um sich damit gegen die derzeitigen Namensdiskussionen um traditionelle Gerichte zu positionieren, die durch eine Rassismus-Debatte auf den Prüfstand gestellt werden. Diese Debatte wird auf Bundesebene maßgeblich von den Grünen und der SPD vorangetrieben – wenig verwunderlich ist es deshalb, dass der Tweet von Müller einen regelrechten Shitstorm auslöste, den ausgerechnet die Chemnitzer Jusos, die Jugendorganisation von Müllers SPD, anführten.

Der Stein des Anstoßes:

Jusos fordern Entschuldigung und klare Positionierung von Detlef Müller

Wir distanzieren uns klar von den Aussagen von @MuellerChemnitz und @SchweigerC. Antizigansimus und Rassismus haben in der #SPD nichts zu suchen. Wir hoffen das ist auch in der @spdchemnitz1 klar und erwarten eine klare Haltung und Stellungnahme zu solchen Aussagen“, heißt es im entsprechenden Twitter-Beitrag, gegenüber der „Freien Presse“ wird zudem durch die Jusos konkretisiert, dass ein klares Bekenntnis gegen Rassismus und Antiziganismus erfolgen müsse. Worin diese unterstellten Verhaltensweisen im Beitrag von Müller gesehen werden, der lediglich eine Kritik an der – seiner Meinung nach – zu weit ausufernden Umbenennungsdebatte beinhaltet, wird nicht näher ausgeführt. Doch offensichtlich ist die Botschaft bei Müller angekommen, der wenig später zurückrudert.

Detlef Müller macht einen Rückzieher und sieht sich missverstanden

Wie so oft, folgt auch wenig später, genügend Druck in sozialen Medien vorausgesetzt, das entsprechende Resultat: „Mein letzter Tweet in Bezug zu #knorr war blöd und missverständlich. Falsch von mir- gelöscht. Entschuldigung“, teilt Müller mit, ohne aber näher zu konkretisieren, was missverständlich formuliert gewesen wäre und wie er es richtig gemeint hätte. Entweder ist Müllers Standpunkt beliebig veränderbar oder – was angesichts der zahlreichen Anfeindungen durchaus möglich erscheint – er traut sich nicht, seine Positionen zu verteidigen. Beides wäre bedauerlich, im ersten Fall würde es die Frage nach der Eignung von Müller für das Amt eines Bundestagsabgeordneten aufwerfen, im zweiten Fall stellt sich die Frage, ob es in unserer Gesellschaft überhaupt noch möglich ist, konträre Meinungen in einer Diskussion ohne Angst vor Diffamierung vertreten zu können.

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